Chado Urasenke Tankokai Hamburg Kyokai
HOME
TEEWEG
TEERAUM
TERMIN
UNTERRICHT
NISCHE(TOKONOMA)
KONTAKT

Chado  Der Teeweg 


Durch die Teezeremonie, die im Japanischen Chado genannt wird, was woertlich Uebersetzt "der Weg des Tees" bedeutet, hatte in Japan eine einzigartige Form des Tees - der pulverisierte Matcha - einen grossen Einfluss auf die japanische Kultur. Es gibt heute in Japan und auf der ganzen Welt Millionen von Praktizierenden dieser friedlichen Kunst, die auf eine Geschichte von mehr als 400 Jahren zurueckblicken kann. 

Tee trinken und Matcha 

1191 brachte der Gruender des Zen-Buddhismus in Japan, der Muench Eisai (1141 - 1215), die Gewohnheit des Matcha-Trinkens von China nach Japan (in ihrem Ursprungsland gibt es diese Metho-de der Zubereitung und des Trinkens nicht mehr). Eisai pflanzte zum erstenmal chinesische Teesamen auf japanischem Boden. Matcha wird aus den Blaettern der Tee-Pflanze, Camellia Sinensis, hergestellt, indem man eine besondere Methode anwendet, durch die die natuerliche, lebendige gruene Farbe der Blaetter erhalten bleibt. Im fruehen Mai werden die jungen Blaetter gepflueckt, gedaempft und dann getrocknet, um ihre Entfaerbung durch Gaerung zu verhindern. Die behandelten Blaetter werden mit einem Mahlstein zu einem feinen Pulver gemahlen. Matcha wird bereitet, indem man zu einer kleinen Menge des Teepulvers heisses Wasser hinzufuegt und die Mischung mit einem Schneebesen aus Bambus schlaegt. 

Die fruehe Tee-Geschichte in Japan 

Nachdem Matcha im 12. Jahrhundert nach Japan eingefuehrt worden war, wurde dieser Tee vor allem in buddhistischen Zeremonien verwandt und von den Zen-Muenchen getrunken, um Muedigkeit waehrend der Meditation zu verhindern. Spaeter wurde er von der Aristokratie und den Samurai als Medizin benutzt. Eine Zeitlang war Tee der Mittelpunkt eines extravaganten Spiel-Wettbewerbs, genannt Tocha, bei dem man versuchen musste, verschiedene Arten von Matcha zu unterscheiden. Im spaeten 15. Jahrhundert servierte der Shogun Ashikaga Yoshimasa (1436 - 1490) Tee waehrend der sozialen Veranstaltungen, die er in seiner Villa, dem Silber-Pavillon, abhielt. Diese Zusammenkuenfte konzentrierten sich auf die Wuerdigung chinesischer Kunstobjekte und Tee-Utensilien. Bis zum spaeten 16. Jahrhundert war Tee bei Kriegsherren und reichen Kauflaeuten sehr beliebt geworden, die Treffen abhielten, um ihre importierten Utensilien zu zeigen. 

Sen Rikyu und sein Erbe 

Sen Rikyu (1522 - 1591), Sohn eines reichen Warenhaus-Besitzers in Sakai, wird angerechnet, Chanoyu zu seiner letztlichen Form gefuehrt, und als Weg die Erleuchtung zu erreichen etabliert zu haben. Er vereinfachte die formale Tee-Bereitung, die im Palast des Shoguns in Gebrauch war, und erfuellte sie mit dem Zen-Ideal, vollkommen in der Gegenwart zu leben. Seine Betonung der Gleichheit, Wahrheit, Direktheit und Bescheidenheit im Teeraum revolutionierte die Etikette, Aesthetik und Denkweise seiner Zeit. 
Urasenke ist der Name, der von der dritten Generation der Grossmeister eingefuehrt wurde und seitdem an die Soehne weitergegeben wird. Urasenke heisst "Sen Hinterhaus". Die Bezeichnung Urasenke bezieht sich auf die Traditionen des Tee-Weges wie er von Rikyu gelehrt wurde und wird vom Kopf eines Haushaltes, der Iemoto genannt wird, bewahrt und weitergegeben. Der Iemoto oder Tee-Grossmeister der Urasenke benutzt traditionell den Namen Sen Soshitsu; dieser Titel wird vom Vater an den ersten Sohn vererbt. Sen Soshi ist der erbliche Nachfolger des Tee-Grossmeisters (Wakasosho) und wird der 16. Tee-Grossmeister werden. 

Das Herz des Tee-Wegs 

Der Grund fuer die Existenz von Chado ist eine Zusammenkunft, die Chaji genannt wird und auf dem taeglichen Teilen von Essen und Getruenken beruht. Der Gastgeber laedt einige Gaeste ein, um die Schoenheit der Jahreszeit in einer Umgebung von Frieden und Gelassenheit zu geniessen. All seine Bemuehungen, wie das Blumenarrangement in der Wandnische, das Auswaehlen der Tee-Utensilien, das Servieren einer einfachen Mahlzeit und die vielen anderen Aufgaben zielen darauf ab, eine Atmosphaere von Einheit und Geborgenheit zu schaffen. Der Hoehepunkt des Treffens ist die Zubereitung und das Trinken einer Schale mit kraeftigem Tee, die von allen Gaesten geteilt wird. Danach werden fuer jeden Gast einzeln Schalen mit einem schwaecheren Tee bereitet. 

Die Philosophie von Chado 

Die Ideale des Tee-Wegs werden durch die vier Prinzipien Harmonie, Respekt, Reinheit und Ruhe ausgedrueckt. 
Harmonie ist das Gefuehl der Einheit, das entsteht, wenn sich alle Elemente der Tee-Zusammenkunft in perfekter Ausgewogenheit befinden. Es entsteht eine Harmonie zwischen dem Gastgeber, den G?sten, den Utensilien, der Jahreszeit und allen Elementen der Tee-Umgebung. 
Respekt bezieht sich auf das Gefuehl von Dankbarkeit und Wertschaetzung aller Elemente des Lebens. Das Gefuehl des Respekts wird durch die Regeln der Tee-Zusammenkunft geformt und drueckt sich in Vorsicht gegenueber allen Dingen aus. 
Reinheit bezieht sich nicht nur auf physische Sauberkeit, sondern auf die Losloesung von Taeuschung und weltlicher Verhaftung. Die verschiedenen Ausdruecke von Reinheit in der Tee-Umgebung zeigen Hingabe und Aufrichtigkeit des Gastgebers. 
Ruhe bezieht sich auf den Zustand des Loslassens, den die Praktizierenden durch ihr Ueben erlangen wollen. Dabei geht es nicht nur um einen physischen Zustand der Stille. Es handelt sich um den spirituellen Zustand, in dem man in der Lage ist, klar seine grundlegende Natur zu erkennen, das eigene wahre Selbst zu entdecken. 

Die fortdauernde Anziehungskraft des Tee-Wegs 

Chado ist eine Synthese der gesamten japanischen Kultur, die sowohl spirituelle, philosophische, moralische, Aesthetische und soziale Facetten enthuelt. Einer der wichtigen Gruende, warum der Tee-Weg bereits seit Ueber 400 Jahren existiert, ist der, dass sich eine grosse Anzahl von Menschen angesprochen fuehlt und die Praktizierenden in der Lage sind, Befriedigung und Erfuellung auf verschiedenen Stufen zu finden. Chado wirkt auch deswegen anziehend, weil verschiedene Aspekte des traditionellen Lebensstils wie Architektur, Gartenbau, Kalligraphie, Kunst und Handwerk, Etikette und Kleidung bewahrt werden. Der wichtigste Grund fuer die Langlebigkeit des Tee-Weges besteht allerdings darin, dass er eine Oase der Ruhe und spirituellen Erneuerung in einer sich permanent veraendernden Welt bietet. 

Fazit 

Da sich Japan in immer staerkerem Masse der westlichen Gesellschaft angleicht, besteht die Gefahr, dass der traditionelle Lebensstil verloren geht. Chado besteht weiter - auch wenn seine Form anachronistisch erscheint, weil die Quintessenz universal und zeitlos ist. Chado bietet eine Ruhepause von der chaotischen Welt; Der Tee-Weg schafft Freude durch die sich immer veraendernden Phaenomene der Natur und erhebt die muede Seele spirituell. So lange sensible Maenner und Frauen das Beduerfnis nach einer verstaerkten Aufmerksamkeit in ihren Leben verspueren, wird Chado weiterhin Ueberall in der Welt praktiziert werden.
 
 

Von der
Ausgabe 54 / Mai 2001 JAPAN auf einen BLICK 
Das monatliche Informationsblatt des Japanischen Generalkonsulats in Hamburg

Updated on 3rd February 2009
Copyright:Mineko